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Liebe Schwestern! Liebe Brüder! Wie würdet ihr die Botschaft Jesu in einem Satz zusammenfassen? Ganz knapp auf den Punkt gebracht: Was hat Jesus damals gesagt? Was hat er gepredigt? Das ist gar nicht so einfach. Je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird es, sich zu entscheiden, was denn das Wesentliche in Jesu Botschaft war. Die Liebe Gottes? Die Vergebung der Schuld? Die Zuwendung Gottes zu den Kranken, Armen und Leidenden?
Ein gewisser Markus hat einmal einen Bericht über das Leben Jesu geschrieben. Ziemlich am Anfang seines Buches fasst der die Botschaft Jesu auf folgende Weise zusammen: „Jesus predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk.1,14f) Ich denke mal, dass er sich seine Worte sehr gut überlegt hat. Er wusste, dass seine Aufschriebe von anderen Christen sehr genau gelesen werden. Er war sich bewusst, welche Verantwortung es bedeutet, die Worte Jesu zusammen zu fassen. Ganz bewusst hat er diesen Vers an den Beginn von Jesu Verkündigung gestellt. Er ist so etwas wie eine Zusammenfassung, in der das zentrale Anliegen Jesu heraus gestellt wird. Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! - Das ist die Hauptsache – in ein paar wenigen Worten konzentriert. Man könnte dazu jede Menge sagen, wir wollen uns heute auf das Thema Buße konzentrieren. Wir befinden uns ja am Anfang der Passionszeit. Das ist traditionell eine Zeit der Buße, welche dann auch äußerlich durch das Fasten deutlich und sichtbar wird. Ich fände es gut und wichtig, wenn wir uns in dieser Zeit vor Ostern nicht nur oberflächlich mit diesem Thema beschäftigen, sondern wenn wir uns auch innerlich darauf einlassen. Ich finde es erstaunlich, dass Markus gerade diese Aufforderung als ganz zentral und wichtig angesehen hat. Tut Buße! Für uns klingt Buße ja nicht besonders einladend und attraktiv. Im normalen weltlichen Sprachgebrauch hat Buße etwas mit Strafe zu tun. Wenn man z.B. zu schnell gefahren ist und geblitzt wurde, dann bekommt man einen Bußgeldbescheid. Oder wenn man sich ungerecht behandelt fühlt und man den anderen bestrafen will, dann sagt man: „Das wirst du noch zu büßen haben!“ Im christlichen Zusammenhang wird die Buße und vor allem die Bußpredigt oft mit Angst und der drohenden Endzeit verbunden. Ich in den Köpfen von vielen lebt immer noch dieses Klischee vom Bußprediger, der mit erhobenem Zeigefinger die Menschen bedroht: „Tut Buße! Kehr um! Das Ende ist nahe!“ War Jesus auch so ein Gerichtsprediger, der den Menschen Angst einjagt, damit sie endlich wieder in die Kirche kommen? Wir sehen ja an diesem Bibeltext auf jeden Fall, dass für Jesus das Thema Buße ein zentrales Thema war. Er hat von der Buße gesprochen, er hat die Menschen dazu aufgefordert – sonst hätte das Markus in dieser Zusammenfassung sicher nicht so erwähnt. Buße ist wichtig, Buße gehört zum Kern unseres Glaubens! Und zwar nicht nur damals, sondern diese Botschaft gilt heute noch genau so. Aber was versteht Jesus unter Buße? Was möchte Jesus von uns, wenn er sagt: Tut Buße? Was heißt das für uns in der Passionszeit? Jesus verwendet dieses Wort natürlich nicht in unserem heutigen, modernen Sinn. Wenn er von Buße spricht, dann geht er vom alttestamentlichen Sinn von Buße aus. Rein sprachlich gesehen gibt es im Alten Testament zwei Begriffe, die wir mit Buße übersetzen können: nacham und schub. Das sind beides Verben, es geht also um etwas, das von einer Person getan wird. nacham bedeutet: „über etwas Leid empfinden, etwas bereuen, anderen Sinnes werden“. Interessanterweise wird dieses Wort im Alten Testament selten für Menschen gebraucht, dafür häufiger von Gott. Ich hab hier in der Vorbereitung richtig gestaunt: Buße betrifft nicht nur den Menschen, sondern kann auch Gott betreffen. Buße heißt nicht nur dass der Mensch etwas bereut und anderen Sinnes wird, sondern auch Gott kann etwas bereuen und seine Einstellung ändern. Im Alten Testament hängt allerdings beides sehr eng zusammen. Wenn Menschen bereit sind sich zu verändern, wenn ihnen ihre Sünde Leid tut und sie zu Gott umkehren, dann ist auch Gott bereit, seine Meinung zu ändern. Deutlich wird dieser Zusammenhang z.B. beim Propheten Jona. Er hat im Auftrag Gottes der Stadt Ninive den Untergang angekündigt. Aber die Menschen haben Buße getan, sie haben ihre Sünde eingesehen und haben sich Gott zugewandt. Und dann ändert Gott seinen Sinn, er bereut es, dass er Ninive zerstören wollte und tut es doch nicht. Er tut Buße! In Jeremia 18,8 ist es folgendermaßen formuliert: „Wenn es [Israel] sich aber bekehrt von seiner Bosheit, gegen die ich rede, so reut mich auch das Unheil, das ich ihm gedachte zu tun.“ In diesem Vers kommt auch das andere Wort für Buße vor: schub: „umkehren, zurückkehren“. Wenn Israel umkehrt, wenn es zu Gott zurück kehrt [schub], dann bereut [nacham] Gott das Unheil, das Israel antun wollte. Für uns Menschen bedeutet Buße also v.a. Umkehr. Buße heißt umzukehren in die Abhängigkeit von Gott. Buße heißt zurückkehren zu der Bestimmung, mit der Gott mich erschaffen hat. Buße tun heißt zu realisieren: Moment mal, ich laufe in die falsche Richtung, ich bin auf dem falschen Weg, wenn ich so weitermache, dann geht es dem Abgrund entgegen. Buße tun heißt, sich auf seinem Weg wieder an Gott zu orientieren. Ein Biologie-Professor war einmal mit einer kleinen Gruppe von Studenten in der Wüste unterwegs, um die Biologie der Wüste hautnah kennen zu lernen. Doch als sie mit ihrem Geländewagen mitten in der Wüste waren, meilenweit weg von jeder menschlichen Zivilisation, da hatten sie eine Autopanne. Der Wagen blieb stehen und rührte sich nicht mehr vom Fleck. So machten sie sich mit ihrem wenigen Proviant auf den Weg zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Nachdem sie lange unterwegs waren und alle schon völlig erschöpft waren, sahen sie in der Ferne etwas, das aussah wie ein kleiner See, umgeben von ein paar Palmen. Die Studenten jubelten vor Freude. Doch der Professor, der schon oft in dieser Gegend unterwegs war, wusste dass sie eine Fata Morgana sahen. Er sagte ihnen die schlechte Nachricht und meinte, dass es sich auf keinen Fall lohnt, den weiten Weg dorthin zu gehen. Doch die Studenten rebellierten. Sie waren sich sicher, dass das keine Fata Morgana war und sie wollten unbedingt dort hin. Der Professor konnte sie nicht überzeugen und so ließ er sie schließlich in diese Richtung gehen. Sie sollten dann dort bleiben und er wollte weiter den richtigen Weg gehen und dann Hilfe holen. Drei Stunden später kamen die Studenten bei ihrer Fata Morgana an. Aber es war tatsächlich keine Täuschung sondern echt. Eine neue Ferienanlage war hier gebaut worden mit zwei Schwimmbädern und verschiedenen Restaurants. Der Suchtrupp, der von dieser Anlage aus nach dem Professor suchte, konnte ihn leider nicht mehr finden. Er blieb verschollen in der Wüste. Zur Buße gehört, dass wir erkennen, dass wir auf dem falschen Weg sind. Das kann schmerzhaft und peinlich sein. Es ist nie angenehm, wenn man sich seine eigenen Fehler eingestehen muss. Aber es ist lebenswichtig, dass wir auf den richtigen Weg zurück kehren. Oft meinen wir, dass wir selbst ganz genau wissen wo es lang geht und was richtig und falsch ist. Aber die Bibel sagt, dass es besser ist, auf Gott zu vertrauen als auf sich selbst. Jesus sagt: Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Lauft nicht planlos durch die Wüste, sondern kommt zur Quelle des Lebens. Wenn ihr meint, selbst alles besser zu wissen, dann seid ihr letztendlich verloren. Aber wenn ihr zu Gott umkehrt, dann werdet ihr Leben finden. Buße heißt nicht, dass ich die Strafe für meine Fehler abarbeite, sondern Buße heißt, dass ich umkehre und mich auf den Weg zur Quelle mache. Nun könnten wir ja sagen: Ja genau! Das müssen doch aber die hören, die ohne Gott unterwegs sind. Die müssen doch umkehren, die müssen doch zum Glauben finden und Gott vertrauen. Wir sind doch schon längst auf dem richtigen Weg. Wir sitzen hier am Sonntag morgen im Gottesdienst, wir glauben an Gott, wir sind doch schon längst an der Quelle angekommen. Uns betrifft dieses Thema doch eigentlich gar nicht mehr. Auf der grundsätzlichen Ebene trifft das auch tatsächlich zu. Buße heißt ja nichts anderes als Umkehr und somit auch Bekehrung. Wer sich zu Jesus bekehrt hat, der braucht das nur einmal tun. Wer ein Kind Gottes ist, der braucht nicht jeden Tag neu als Kind Gottes geboren werden. Und doch! Und doch ist die Umkehr und die Buße auch für uns Christen etwas, das uns tagtäglich neu angeht. Ein berühmter Theologe hat einmal folgendes gesagt: „Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus sagte ‚Tut Buße’, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ Nach seiner Meinung ist die Buße also nicht nur ein einmaliges Geschehen, sondern unser ganzes Leben soll Buße sein. Es geht um eine ständige Haltung, in der ich alles von Gott erwarte und nicht von mir selbst. Eine Haltung in der ich mich immer wieder neu an Gott ausrichte und auf seine Gnade vertraue. Das ganze Leben der Glaubenden soll Buße sein. Hat jemand eine Ahnung von welchem berühmten Theologen ich hier gesprochen habe? Es geht um Martin Luther. Diese Aussage zur Buße ist die erste seiner 95 Thesen, von denen wir heute sagen können, dass damit die ganze Reformation der Kirche angefangen hat. Wenn selbst Luther das sagt, dann haben auch wir das nötig, dass wir immer wieder neu zu Gott umkehren.
Mitten in London gibt es eine Straßenkreuzung, die die „Charing Cross“ genannt wird. Dieser Platze wird als das geographische Zentrum von London gesehen. Von hier aus werden alle Entfernungen zwischen London und anderen Punkten gemessen. Den Namen Cross hat dieser Platz nicht, weil es eine Straßenkreuzung ist, sondern weil im 13. Jh. King Edward I. hier ein Kreuz für seine verstorbene Frau errichten lies. Dieses Kreuz steht heute nicht mehr und doch wird der Platz noch Charing Cross genannt. Was Charing genau bedeutet ist nicht ganz sicher. Von vielen wird der Ort einfach nur „das Kreuz“ genannt. Eines Tages wurde einmal ein kleines Kind von einem Londoner Polizist gefunden. Es hatte sich verirrt und wusste nicht mehr, wie es nach Hause finden sollte. Der Polizist fragte natürlich immer wieder nach ihrer Adresse oder nach auffälligen Gebäuden in der Nähe ihres Zuhauses. Doch das Mädchen konnte ihm nichts sagen. Schließlich sagte das kleine Kind unter Tränen und unter Schluchzen: „Wenn sie mich zum Kreuz bringen, ich glaube, dann finde ich von dort aus meinen Weg nach Hause.“ Das tat er dann auch... Genau das ist Buße: Nicht mehr ziellos durch die Straßen unserer Welt zu irren, sondern zum Kreuz kommen. Umkehren zum Kreuz. Dort dürfen wir unsere eigene Verlorenheit und unsere Schuld abladen. Und von dort aus finden wir den Weg nach Hause. Amen
___ Foto: wikimedia
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das Bekehrungs-Büchlein: „Von neuem geboren werden“, ist geeignet als Hilfsmittel zum Erklären des Evangeliums und zum Begleiten von Menschen, die Gott suchen oder die fragend sind.
Es kann auch abgeben werden an Verwandte und Bekannte, die suchend sind, oder an Menschen die noch nicht im Glauben sind. Durch die Provokation der Aussagen in diesem Büchlein werden Menschen offen, über den Glauben zu reden.
Es gibt Antworten auf häufige Ausreden, Einwände und Vorwände von Menschen um nicht glauben zu müssen.
Busse verkündigen
Der Schwerpunkt dieses Büchleins ist die immer wiederkehrende Aufforderung in der Bibel, tut Busse: "Tut Busse und bekehret euch (Apg. 3, 19, die Sünder zur Busse rufen (Matth. 9, 13), er gebietet allen Menschen Busse zu tun (Apg. 17, 30)."
http://www.heilsnot-verlag.ch
Grüss Gott und alles Gute
Fritz Ryser